Über das Projekt

Unser Leitgedanke: Räume schaffen!

Das Digitale Lernhaus „Jüdisches Leben“ ist aus dem dringenden bildungspolitischen Bedarf entstanden, zeitgemäße Formen der Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte, Religion und Gegenwartskultur zu entwickeln – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender antisemitischer Tendenzen in Gesellschaft, Schule und im digitalen Raum.

Die Idee zum Lernhaus entstand an der FAU Erlangen-Nürnberg und fand dort an der „Forschungsstelle für Öffentliche Religionspädagogik“ (RUPRE) ein Zuhause. Von Anfang war klar: Um Antisemitismus wirksam begegnen zu können, braucht es mehr als nur Faktenwissen. Es braucht Räume, in denen Wahrnehmung geschärft, Verstehen vertieft und Empathie ermöglicht wird.

So wurde das Digitale Lernhaus im Dialog mit jüdischen Gesprächspartnerinnen und ‑partnern konzipiert: als virtueller Erfahrungsraum, in dem Schülerinnen und Schüler, Studierende, aber auch interessierte Erwachsene interaktive Lernmodule nutzen können – mit 3D-Objekten, Biographien, Videos und Aufgaben, die die Vielfalt jüdischen Lebens (vor allem in Deutschland) greifbar machen. Die Lernumgebung regt aber auch zur kritischen Reflexion antisemitischer Stereotype an und stärkt die Fähigkeit, religiöse und kulturelle Differenz wertschätzend wahrzunehmen.

Von Anfang an war klar: Es muss eine virtuelle, dreidimensionale Welt werden, in die man eintauchen und die sich im eigenem Tempo und eigener Reihenfolge erkunden lässt. Sie im Stil einer Graphic Novel oder eines Comics nicht zu „bauen“, sondern zu zeichnen, ist technisch und didaktisch ein ganz neuartiger Ansatz. Lockere Zeichnungen schaffen Leichtigkeit und regen unser Denken an. Denn was die Zeichnung weglässt, ergänzt das Gehirn, und wir sind stärker involviert als in einer fotorealistischen Umgebung.

Bei der Entstehung und Pflege der immersiven Lernumgebung arbeiten Roland Hallmeier (Mediendesign) vom Kompetenzzentrum Lehre der FAU Erlangen-Nürnberg und Britta Wagner (Illustration und Projektgestaltung, freiberuflich) Hand in Hand.

Unser interdisziplinärer Ansatz

Die maßgeblichen Projektgestalterinnen und -gestalter kommen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen:

Dr. Werner Haußmann (Religionspädagogik)
Dr. Martina Switalski (Geschichtsdidaktik und Lehramt)
Dr. Axel Töllner (Evangelische Theologie und Antisemitismusstudien)
Corinna Wagner M.A (Politikwissenschaft)
StRin Verena Bedruna (Lehramt)
Dr. Britta Wagner (Soziologie, Visualisierung und Projektgestaltung)
Roland Hallmeier, M.A. (Programmierung)

Von daher ist das Projekt interdisziplinär angelegt und verbindet interreligiöse Bildung (Artefakte, Synagogen) und historisches Lernen (Biografien, Raum der Erinnerungen), digitales Lernen und politische Bildung – mit dem Ziel, jüdisches Leben verständlich zu machen sowie einen Beitrag zur Antisemitismusprävention zu leisten und vor allem junge Menschen für die pluralen Realitäten unserer Gesellschaft zu sensibilisieren.

Diesbezüglich gibt es auch spezifische Themenräume zum Antisemitismus:

  • Christlicher Antijudaismus
  • Rassistischer Antisemitismus (NS)
  • Post-Shoah-Antisemitismus
  • Israelbezogener Antisemitismus
  • Politischer Antisemitismus und Verschwörungsmythen
  • Antisemitisches Othering

Ein Lernziel ist, sich selbst zu positionieren und Strategien gegen Antisemitismus zu entwickeln.

Unsere Kooperationspartnerinnen & Kooperationspartner

Ein Projekt wie das „Digitale Lernhaus: ‚Jüdisches Leben‘“ ist genuin auf die Kooperation mit jüdischen Partnerinnen und -partnern angewiesen, denn es kann kein Lernen über das Judentum geben, bei dem Jüdinnen und Juden nichts partnerschaftlich im Dialog beteiligt sind.

Maßgebliche Texte im Lernhaus – vor allem, wenn es um jüdisches Selbstverständnis geht – wurden von jüdischer Seite gegengelesen oder es wurden Originaldokumente jüdischer Quellen verwendet. Ein besonderer Dank gilt hierbei Rabbiner Steven Langnas (Nürnberg) und Niklas Hörmann (Potsdam), ebenso der Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA).

Unsere Materialien

Bei der Materialerstellung war Künstliche Intelligenz eine wertvolle Unterstützung, allerdings wurden alle Ergebnisse (z.B. Texte, Rätsel oder Spiele) mit menschlicher Intelligenz und nach wissenschaftlichen Standards überprüft.

Eine besondere Hilfe waren die KI-Stimmen von ElevenLabs, mit denen viele der Texte (im Sinne der Barrierefreiheit) auch als Sounddateien eingesprochen wurden.

Quellenangaben finden sich im Impressum des Lernhauses.

Zum guten Schluss

Die Entwicklung unseres Digitalen Lernhauses war nur möglich durch eine Vielzahl von Sponsoren und Förderern, denn so ein Bau kostet viel Geld (auch wenn er nur digital ist). Danke für das Vertrauen und die Unterstützung!

Aber nicht nur die Bereitstellung finanzieller Ressourcen war nötig, sondern es bedurfte auch den Beistand, den Rat, den Zuspruch vieler Wegbegleiterinnen und -begleiter bei der einen oder anderen Herausforderung, an die man am Anfang überhaupt nicht gedacht hatte. Danke für alle Hilfe auf dem Bau!

Das Lernhaus ist noch nicht komplett fertiggestellt: Es wächst weiter und mit ihm auch hoffentlich die Zuversicht, dass das Virus des Antisemitismus immer weniger Menschen infizieren möge.